Sicheres Vorsteigen bis Grad IV, Klettern als Nachsteiger ab Grad IV+/4b. Erfahrung in Mehrseillängenrouten obligatorisch, Routine im alpinen Fels.

Die Nordkante des Piz Badile (3’308 m) gilt vielen Kletterern als die schönste Kantenführe der Alpen. Über 25 Seillängen und 800 Höhenmeter zieht eine elegante, logische Linie durch kompakten, griffigen Granit hinauf zum Gipfel eines der charaktervollsten Berge des Bergells. Der Alpenvereinsführer «Bergell» fasst es so zusammen: Die Nordkante sei «eine der schönsten, wenn nicht gar die schönste Kantenführe in den Alpen.» Technisch moderat bis 5a+, aber lang, ausgesetzt und mit einem anspruchsvollen Abstieg auf der Südseite. Wer die Nordkante klettert, bewegt sich auf denselben Felsen, auf denen Riccardo Cassin 1937 mit seiner legendären Nordwandroute Geschichte schrieb. Kein Berg der Alpen zieht Kletterträume so magnetisch an wie der Piz Badile.
CHF 2'090.00

Wenige Berge der Alpen haben sich so tief in die kollektive Klettervorstellung eingebrannt wie der Piz Badile. Das liegt nicht an seiner Höhe – 3’308 m sind für einen Alpengipfel bescheiden. Es liegt am Granit, an der Form, an der Geschichte. Die Nordkante zieht als eleganter Pfeiler den Blick nach oben und lässt sich von unten kaum fassen in ihrer Grösse. Von der alten Tessiner Dorfterrasse von Soglio aus, wo der Maler Giovanni Segantini sie «la soglia del paradiso» nannte, kann man die gesamte Kantenlinie sehen: von der Scharte am Fuss über den Ziegenrücken, die Zürcher Platte und den abschliessenden Wandblock bis auf den Gipfel.
Riccardo Cassin bestieg den Badile 1937 über die Nordwand – eine der sechs grossen Nordwände der Alpen, direkt und brillant. Die Nordkante ist das «einfachere» Geschwisterkind dieser Route: Sie folgt dem natürlichen Kantenrücken rechts der Nordwand, klettert auf überwiegend griffigem, festem Granit und bleibt in der Hauptsache unter Grad 5a. Das macht sie technisch zugänglich, aber nicht einfach: 25+ Seillängen, ein komplexer Abstieg auf der Südseite und die spezifische Gewittergefahr des Bergells verlangen Erfahrung, Aufmerksamkeit und einen frühen Start.
Das Val Bregaglia ist eines der dichtesten Klettergebiete der Alpen. Auf wenigen Kilometern Talsohle erheben sich beidseitig Granitwände und Türme, die zu den schönsten ihrer Art in Europa gehören: Sciora, Punta Albigna, Gemelli, Cengalo – und im Hintergrund, als Abschluss der ganzen Szenerie, der Piz Badile. Wer erstmals durchs Tal fährt und die Dimensionen der Wände auf sich wirken lässt, versteht sofort, warum Generationen von Kletterern hierher zurückgekehrt sind.
Der Zustieg zur Capanna Sasc Furä (1’904 m) führt seit dem verheerenden Bergsturz vom Piz Cengalo im September 2017 über einen neu angelegten Weg. Seit 2019 führt die offizielle Route durch Wald und Alpweiden um die Gefahrenzone herum – länger als früher, aber sicher und in einer Landschaft, die den langen Aufstieg aufwiegt. Direkt hinter der Hütte öffnet sich der Blick auf das ganze Amphitheater des Val Bondasca: Sciora, Gemelli, Cengalo – und links davon, breit und stolz, der Pfeiler der Nordkante.
Früh, noch weit vor Sonnenaufgang, verlassen wir die Hütte. Die Hüttenwirtin zündet für jede Seilschaft eine Kerze an – ein stilles Ritual, das zur Geschichte dieser Wand gehört. Im Schein der Stirnlampen folgen wir dem Pfad Richtung «Viäl», dem Übergang zur Sciora-Hütte, dann rechts des Grats aufwärts über erste Granitplatten und Blöcke bis zur Scharte auf rund 2’590 m: dem Einstieg in die Nordkante.
Die ersten vier Seillängen führen in der Ostwand über Bänder und Platten bis an den Kantenfuss. Wer es gewohnt ist, flüssig zu klettern, wird die ersten Meter noch am laufenden Seil gehen. Dann beginnt die Kante selbst – die nächsten Stunden sind ein Genuss: griffiger, gut strukturierter Granit, eine klare Linie, immer an der Kante oder knapp daneben.
Markante Stationen auf dem Weg nach oben: der Ziegenrücken – ein breiter, übersichtlicher Gratbereich – dann die Zürcher Platte, eine grosse, glatte Plattenpassage, die konzentriertes Klettern verlangt, und schliesslich die Schlüsselstelle: eine kurze, steile Wandpassage mit zwei Bohrhaken, die seit dem Felssturz der jüngsten Jahre leicht schwieriger geworden ist (derzeit 6-/A0). Nach der Schlüsselstelle folgt nochmals eine schwierige Wandstelle zurück an die Kante, danach wird das Gelände breiter und führt über die vorletzte Seillänge in der Westwand zum letzten Stand.
Dann der Gipfel. 3’308 m, Bergell und Engadin zu Füssen. Im Osten der Silvretta und der Ortler, im Westen die Cimagruppe und die Sciora. Weiter weg, bei guter Fernsicht, die Silhouette des Bernina.
Der Abstieg führt auf der Südseite: abwechselnd abseilend und abkletternd durch eine markante Rinne hinunter, rechtshaltend zu einem Kreuz auf einem breiten Band, dann durch einen Kamin und eine Schlucht, mehrmals an Muniringen abseilend, bis zum grossen Schneefeld am Wandfuss. Von dort wegloses Blockgelände, immer leicht rechts, hinunter zum Rifugio Gianetti.
Sicheres Vorsteigen bis Grad IV, Klettern als Nachsteiger ab Grad IV+/4b. Erfahrung in Mehrseillängenrouten obligatorisch, Routine im alpinen Fels.
Sehr gute Grundkondition für einen langen Hüttenaufstieg (1'400 Hm) und einen Klettertag von 9 bis 12 Stunden. Der Gesamtaufstieg vom Tal zum Gipfel beträgt rund 2'200 Hm.
Aufstieg: ca. 1’400 Hm – Gehzeit: ca. 5-6 Std. – Anforderung: T4
Treffpunkt ist am Morgen in Bondo im Val Bregaglia. Nach einem gemeinsamen Materialcheck schultern wir die Rucksäcke und starten auf dem 2019 neu angelegten Hüttenweg Richtung Sasc Furä. Der Pfad führt zunächst durch lichten Lärchenwald und über saftige Alpweiden, dann steiler durch Geröll und Granitgelände hinauf zur Hütte.
Mit jedem Höhenmeter wird die Kulisse dramatischer. Die Nordkante des Badile zeigt sich immer klarer und grösser – wer hier zum ersten Mal hochschaut, bekommt ein realistisches Gefühl für das, was morgen kommt. Auf der Sasc Furä angekommen: Ausrüstungskontrolle, Abendessen, Besprechung der Route und der Schlüsselstellen. Frühes Zubettgehen – der Wecker klingelt tief in der Nacht.
Anreise: Mit dem Zug nach Chur, dann Postauto via Maloja nach Bondo. Mit dem Auto via Julier oder Maloja ins Val Bregaglia, Parkplatz in Bondo (kostenlos).
Aufstieg Kletterroute: ca. 800 Hm, 25+ Seillängen bis 5a+ – Abstieg zum Gianetti: ca. 770 Hm – Gesamt-Kletterzeit: ca. 9-12 Std. – Schwierigkeit: TD – 5a+ (5a obligat.)
Noch vor Morgengrauen verlassen wir die Hütte. Im Stirnlampenlicht folgen wir dem Pfad in Richtung «Viäl» und steigen dann über Granitblöcke und erste Platten hinauf zur Scharte auf rund 2’590 m: dem Einstieg.
Die ersten Seillängen führen durch die Ostwand über Bänder und Platten an den Fuss der eigentlichen Kante. Ab hier klettern wir Seillänge für Seillänge aufwärts – immer an der Kante oder dicht daneben. Der Granit ist griffig, strukturiert und verlässlich.
Zwischenstationen: Ziegenrücken (breiter, luftiger Gratbereich), Zürcher Platte (grosse Plattenpassage, Konzentration gefragt), Schlüsselstelle (steile Wandpassage, 6-/A0, mit Bohrhaken gesichert, nach dem Felssturz leicht schwieriger als in älteren Führern beschrieben). Danach eine weitere Wandstelle, zurück an die Kante, und die letzten Seillängen über die Westwand zum Gipfel.
Auf dem Gipfel angekommen: Pause, Panorama, Stille. Dann der Abstieg über die Südseite – abseilend und abkletternd durch die markante Südrinne, rechtshaltend zu einem Wegkreuz auf einem breiten Band, dann durch Kamin und Schlucht mit mehrmaligen Abseilmanövern an Muniringen, bis zum Schneefeld am Wandfuss. Wegloses Blockgelände hinunter zum Rifugio Gianetti: Abendessen, ein kühles Getränk, Rückblick auf einen der grossen Tage.
Variante A (kurz): Abstieg nach Bagni del Masino, Taxi nach Bondo – Abstieg: ca. 1’360 Hm, Gehzeit: ca. 3 Std.
Vom Rifugio Gianetti absteigen ins Val di Mello (IT) hinunter nach Bagni del Masino. Von dort Taxi zurück nach Bondo (ca. 30 Min. Fahrzeit). Die schnellste und bequemste Rückkehr nach einem langen Klettertag.
Variante B (klassisch): Überquerung zweier Pässe zurück nach Bondo – Auf-/Abstieg: ca. 600 Hm / 1’350 Hm, Gehzeit: ca. 6 Std.
Aufstieg vom Gianetti zum Passo Porcellizzo (2’961 m), Abstieg auf die andere Seite, dann Querung des Talkessels zum Passo della Trubinasca (2’701 m): eine kurze Klettersteigpassage führt über den Pass, steil gesichert hinunter, dann durch das Vallun da la Trubinasca zurück zur Sasc Furä und hinunter nach Bondo. Eine anspruchsvolle, aber lohnende Variante mit einem letzten Blick auf das gesamte Bergeller Massiv.
Die Capanna Sasc Furä CAS liegt auf 1’904 m ü. M. auf einer bewaldeten Terrasse über dem Val Bondasca im Bergell (Kanton Graubünden). Das im Besitz der SAC-Sektion Bregaglia befindliche Schutzhaus verfügt über 36 Schlafplätze mit Duvets und dient Alpinisten weltweit als legendäres Basislager für Klettertouren am Piz Badile, insbesondere über die berühmte Nordkante. Der landschaftlich eindrückliche Normalzustieg ab Promontogno oder Bondo überbrückt eine Höhendifferenz von rund 1’070 Metern und erfordert eine Gehzeit von 3,5 Stunden (Schwierigkeit T3).

Das Rifugio Luigi Gianetti (auch bekannt als Gianettihütte oder Capanna Luigi Gianetti) liegt auf 2’534 m s.l.m. im Valle Porcellizzo, einem Seitental des Val Masino auf der italienischen Südseite des Bergells. Das im Besitz des Club Alpino Italiano (CAI) befindliche, gemauerte Schutzhaus bietet während der Sommersaison von Mitte Juni bis Ende September 78 bewirtschaftete Schlafplätze sowie einen ganzjährig zugänglichen Winterraum mit 12 Lagern im direkt dahinterliegenden Biwak Capanna Attilio Piacco. Der reguläre und rein fussläufige Zustieg startet im italienischen San Martino (Val Masino) und führt in rund 3 bis 3,5 Stunden steil hinauf zur Hütte (Schwierigkeit T2 bis T3). Die Hütte dient als zentraler Stützpunkt für anspruchsvolle Klettertouren an den Granitwänden von Piz Badile und Piz Cengalo sowie als zweites Etappenziel auf dem berühmten alpinen Höhenweg Sentiero Roma.

Die Nordkante wird mit TD (très difficile) bewertet. Die maximale Schwierigkeit liegt bei 5a+ UIAA (obligatorisch 5a). Der überwiegende Teil der Route bewegt sich im 3. und 4. Grad. Die Route ist technisch moderat, fordert aber solide Vorsteigerfahrung, Routine in alpinen Mehrseillängenrouten und eine hohe Ausdauerleistung über 9 bis 12 Stunden.
Die Route hat eine Kletterlänge von rund 1’200 m (ca. 25 Seillängen) und überwindet rund 800 Höhenmeter zwischen dem Anseilplatz auf ca. 2’590 m und dem Gipfel auf 3’308 m.
Die technisch anspruchsvollste Stelle ist eine steile Wandpassage kurz nach der Zürcher Platte. Sie wurde durch einen Felssturz in den vergangenen Jahren leicht schwieriger und ist derzeit mit 6-/A0 zu bewerten. Zwei Bohrhaken sichern die Stelle. Weiter oben folgt eine zweite schwierige Wandpassage zurück an die Kante – beide Stellen sind fest eingerichtet.
Die Nordkante folgt dem Kantengrat rechts der Nordwand – technisch zugänglich bis 5a+. Die Cassin-Route (Nordwand-Route) führt direkt durch die steilste Partie der Nordwand und gilt mit TD+ und Stellen bis 5c als eine der sechs klassischen grossen Nordwände der Alpen – erheblich schwieriger und deutlich ernster als die Nordkante.
Beim Bergsturz vom Piz Cengalo im September 2017 wurden weite Teile des Val Bondasca unter Schuttmassen begraben. Der alte Hüttenweg verlief durch diesen Bereich und ist seither gesperrt. Seit 2019 existiert ein neu angelegter, sicherer Weg, der die Gefahrenzone umgeht. Der Aufstieg dauert damit rund 5 bis 6 Stunden statt früher 3 bis 4.
Die optimale Saison liegt zwischen Mitte Juli und Mitte September. Im Frühsommer sind die Platten oft noch mit Eis- oder Firnresten bedeckt. Im Hochsommer ist der Fels in der Regel trocken, aber die Gewittergefahr ist am grössten: Frühstart (03:00-04:00 Uhr ab Hütte) ist zwingend, um vor dem Nachmittagsgewitter vom Gipfel zu sein.
Du solltest als Vorsteiger sicher in Grad IV klettern, als Nachsteiger in Grad IV+/4b. Erfahrung in Mehrseillängenrouten (mindestens 10+ Seillängen) ist obligatorisch. Selbständiges Sichern und Abseilen wird vorausgesetzt. Eine gute Vorbereitung sind mehrtägige Klettertouren in den Alpen – z.B. Punta Albigna, Gemelli-Nordkante oder ähnliche Bergeller Klassiker.
Der Normalabstieg führt über die Südwand in mehreren Abseilpassagen hinunter zum Rifugio Gianetti auf der italienischen Seite. Vom Gianetti gibt es zwei Möglichkeiten zurück nach Bondo: ein kurzer Abstieg nach Bagni del Masino mit Taxi, oder eine lange Passwanderung über Passo Porcellizzo (2’961 m) und Passo della Trubinasca (2’701 m) zurück in die Schweiz, ca. 6 Stunden.