Nollen Erstfeld: Die Route, die vor der Haustüre beginnt
Ein Hikr user schrieb: «Entspannt, klimafreundlich und ohne Stau. Wenn der Zustieg so kurz, der Fels so kompakt und die Kletterei so genussvoll ist, kann getrost von der perfekten ÖV-Kletterroute gesprochen werden.» Wir hätten es nicht besser sagen können. Und wir schreiben das nicht als Aussenstehende – wir schauen jeden Morgen aus unserem Bürofenster auf den Nollen. Er ist, je nach Wind und Licht, mal ein grüner Waldkamm, mal ein grauer Felsbuckel, mal ein mit Morgennebel überdecktes Geheimnis im Wald oberhalb des Reusstal. Er ist unser Hausberg.
Die Geschichte des Nollens beginnt mit Toni Zimmermann, Jahrgang 1921, Lokführer in Erstfeld. In den 1960er Jahren eröffnete er die ersten Routen am Felsrücken über seinem Dorf – mit Haken, die er mitgebracht hatte, ohne dass jemand wissen musste, woher. Heute sind noch einige dieser Originalhaken vorhanden. Bruno Bollinger sanierte die Route 2011 und ergänzte zeitgemässe Bohrhaken. Der Toni Zimmermann-Weg (4b, 4c, 4a, 4b, 3b, 4b) ist seither der Klassiker des Gebiets – sechs kurze, abwechslungsreiche Seillängen auf griffigem, kompaktem Gneis, die Linienführung übersichtlich, die Bohrhaken zahlreich, das Wandbuch am Grat füllt sich dauernd weiter.
Seit einigen Jahren gibt es am Nollen auch die Route «Abendrot» – vier Seillängen links des Zimmermann-Wegs, etwas anspruchsvoller, bis 6a, mit einem schönen abdrängenden Bauch in Seillänge 2. Wer beide Routen hintereinander klettert, erlebt einen vollständigen, stressfreien Plaisirtag an sehr solidem Fels. Und wenn Pikett-Dienst angesagt ist – der Nollen liegt im Radius einer Viertelstunde.
Der Ausstieg führt auf ein kleines Bänkli – dem Nollen, der dem Gebiet den Namen gibt. Die Aussicht ist nicht grandios, aber stimmungsvoll: das Reusstal, die Bahngeleise, die Kirche von Erstfeld, und irgendwo zwischen den Bäumen unten unser Büro. Der Abstieg erfolgt bequem und schnell über den Wanderweg.