Salbit Südgrat: Eine Sinfonie in Urner Granit
Der zweite Überklassiker am Salbit
Der Salbitschijen hat drei Grate. Der Westgrat ist das Flaggschiff. 36 Seillängen. Stellen bis 6b. eine der grossen Gratklettertouren der Alpen. für sehr erfahrene Alpinkletterer. Der Südgrat ist das Tor für alle, die bereit sind für eine grosse, ernsthafte Mehrseillängenroute, aber noch nicht für die volle Länge und Schwierigkeit des Westgrats bereit sind. Mit rund 20 Seillängen und obligatorischen Schwierigkeiten um 5a+ ist er kürze, aber in seiner Qualität und seinem Ambiente dem Westgrat ebenbürtig. Fels. Linie. Ausgesetztheit: der Südgrat liefert auf allen drei Ebenen.
Die Route folgt einer konsequenten, logischen Linie nach oben: immer dem Grat entlang. Manchmal direkt auf der Kante, manchmal knapp daneben, von Turm zu Turm. Durch Risse und über Platten. Die Sicherung ist gut: an den Schlüsselstellen Bohrhaken. an den Ständen grosse Ringhaken. Mit Friends und Schlingen kann ergänzt werden. Der Fels ist makellos. Grobkörnig, rau im Griff. Das Salbit-Granit beissst sich in die Fingerkuppen. Im besten Sinne.
Die Salbithütte: Hütte mit Garten und Hausgeist
Stützpunkt jeder Salbit-Tour ist die Salbithütte SAC (2’105 m). Sie ist nicht einfach eine Berghütte. Sie hat einen eigenen Gemüse- und Kräutergarten. Einen nepalesischen Hüttengehilfen namens Nima, der die Gäste umsorgt, und eine Küche, die für ihre Qualität und ihren hausgemachten Génépi bekannt ist. Von der Terrasse aus sieht man direkt auf die Gratlinien des Salbitschijen. Am Abend vor der Tour sitzt man hier und schaut nach oben, sucht die Linie des nächsten Tages, zählt die Türme und überlegt, ob man je schnell genug sein wird.
Der Zustieg zur Hütte vom Parkplatz Ulmi (1’195 m) im Göschenertal dauert rund 2.5 Stunden. Der Weg ist gut markiert und führt durch das hintere Tal. Zuerst durch Wald und Weiden, dann steiler durch Felsgelände hinauf zur Hütte. Ein solider Einstieg in die zwei nächsten Tage.
Der Einstieg: Takala oder Originalroute
Der Südgrat hat zwei mögliche Einstiege. Der Originalweg direkt in den Grat und die neuere Takala (5 Seillängen. max. 5c. 5a obligat.), die Hans Berger, Wirt der Salbithütte entwickelt hat und die zusammen mit dem Südgrat und der Direkten Südwand den sogenannten Super-Südgrat ergibt: rund 25 Seillängen auf bestem Urner Granit. Wir empfehlen in der Regel die Takala-Variante. Sie bereichert die Tour um fünf sehr schöne. gut gesicherte Seillängen und bringt einen direkt in den Rhythmus des Granits, bevor der Hauptgrat beginnt.
Ab der Zahnscharte beginnt der Hauptteil des Südgrats. der klassische. ausgesetzte. abwechslungsreiche Abschnitt: Risse und Platten. Türme und kurze Abseilstellen. Die markanteste Wegmarke ist der Zwillingsturm, zwischen dessen zwei Türmen man spektakulär abseilt. Danach zwei weitere Seillängen, dann wieder abseilen auf ein breites Band. Von dort leichtes Gelände Richtung Gipfelaufbau. Die vorletzte Seillänge (Grad 5+) ist nicht zu unterschätzen: das ist der Moment. an dem man nochmals vollständige Konzentration braucht.
Die Gipfelnadel: Das grösste Finale
Der letzte Akt des Südgrats ist die freistehende Gipfelnadel. Sie schaut schwieriger aus als sie ist. eine Seillänge. Grad 5a. Einige wenige Haken, luftig und exponiert. Wer nach oben schaut. sieht wenig Fels und viel Himmel. Der Abseiler danach, überhängend und luftig direkt von der Nadelspitze, ist einer der schönsten Abseilmomente, die eine alpine Klettertour bieten kann.
Der Abstieg führt über einen kurzen, gesicherten Couloir nach Norden. Rote Markierungen, teilweise mit Fixseilen gesichert. Je nach Jahreszeit können Bergschuhe oder kurze Steigeisen von Vorteil sein. Zurück an der Salbithütte. Génépi. Essen. und der Blick zurück nach oben auf die Linie, die man gerade geklettert ist.